00:00:00: der Podcast von Studierenden für Studierende.
00:00:06: Hallo und herzlich willkommen zu unserer Podcastfolge, heute mit dem Titel Skandal oder Strategie – Der Umgang mit kontroversen Themen im Marketing!
00:00:15: In der heutigen Folge sprechen wir über Marketingkampagnen die bewusst provozieren, polarisieren oder Diskussionen auslösen besonders im Tourismusbereich.
00:00:24: Wir wollen der Frage nachgehen, wann ist Provokation im Marketing eine clevere Strategie und wann kann sie eher zu Risiko für Marke und Image werden?
00:00:33: Dafür haben wir heute auch einen Gast eingeladen, der das Thema aus Marketingperspektive erordnen kann.
00:00:39: Für uns ist heute Frau Anja Ebertz.
00:00:41: vielen Dank dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben.
00:00:45: Wollen Sie sich vielleicht kurz vorstellen wer es sind und welche fachliche Kompetenzen Sie haben?
00:00:50: Ja, sehr gerne.
00:00:51: Hallo!
00:00:52: Herzlichen Dank für die Einladung.
00:00:53: Mein Name ist Anja Ebert und ich bin jetzt schon... Genau zwanzig Jahre hier am Campus tätig und ich bringe zehn Jahre internationaler Agenturerfahrung mit, mit dem Schwerpunkt Marketing und Kommunikation.
00:01:07: Und ich unterrichte wie gesagt schon seit zwanziger Jahren hier wenn noch mit dem Schwertpunkt Kreativität aber das hat ja sehr viel damit zu tun welche Strategie ich auswähle.
00:01:16: und gerade dass worüber wir sprechen wollen hat auch etwas mit dem Ausloten der Kreativity zu tun.
00:01:25: Ja, danke für Ihre kurze Vorstellung.
00:01:27: Also ich bin die Elisa und das ist die Katin.
00:01:30: wir sind aus dem Team Six Zolls.
00:01:32: Und gleich auch passend zu dem Thema ist mir kurz vor Kurzem eine Kampagne auf Social Media aufgefallen Von der Tirol Werbung mit dem Titel Tyrol is not South Tyrol vielleicht kennen Sie es eh auch schon und in dem Insta-Post war nämlich die Idee Humorvoll die Unterschiede zwischen Tirole und Südtirol zu zeigen Wie Tirol ist Kaiserschmarrn und Südtirols Pizza.
00:01:55: Aber die Reaktionen waren ziemlich heftig darauf, also viele fanden das eher unsensibel vor allem wegen der gemeinsamen Geschichte.
00:02:02: Und das Ganze ist dann auch schnell in einen Shitstorm gekippt und das Posting wurde schließlich dann auch gelöscht.
00:02:08: Ich fand es da ziemlich spannend wie schnell so eine Kampagne eine große Diskussion auslesen kann.
00:02:14: Das ist ja angelegt gewesen wahrscheinlich, vermuten wir mal.
00:02:18: Aber aus meiner Perspektive es ist tatsächlich etwas unglücklich geraten weil es halt tatsächlich... Es gab auch eine Antwort von Südtirol ist nicht Italien.
00:02:29: also die haben gleich mal reagiert darauf weil im Pizza ist halt Italien und nicht Südturol und da hätte eben tatsächlich auch ein bisschen mehr Kenntnis vielleicht dass alles ein kleines bisschen entschärft.
00:02:42: Und von daher glaube ich, es war gewollt diese... Aber es war wahrscheinlich ist das nicht bis zu Ende gedacht worden und deshalb ist es ein bisschen nach hinten losgegangen.
00:02:54: aber das was mich am meisten irritiert ist dann eben die schnelle Löschung weil man ja eigentlich mit dem Shitstorm hätte rechnen können, das einkalkulieren können und darauf halt auch einen Notfallplan machen können, wir reagieren darauf und löschen ist halt kein Notfallplan.
00:03:11: Das ist eine Kapitulation.
00:03:16: Ja also sagen das wenn man Kampagnen eher aus Provokation verwendet oder halt produziert dass man dann im Nachhinein eigentlich auch noch viel retten kann.
00:03:29: Also mit so wie die haben jetzt einfach gelöscht Das ist ja natürlich auch eine Reaktion, vielleicht jetzt nicht die befriedigste für alle.
00:03:38: Aber es ist eine Reakktion!
00:03:40: Wenn man darauf eingegangen wäre könnte das dann das retten und hätte er vielleicht den Shitstorm ein bisschen vermildert?
00:03:46: Also ich denke schon wir sind zwar aktuell in einer sogenannten Empörungsgesellschaft dass sich viele Leute eben übermäßig empören, über die Dinge.
00:03:56: Aber hier hätte man sicherlich mit Humor sehr viel retten können und man hätte halt tatsächlich dann auch sagen können okay dann schauen wir halt auf die Gemeinsamkeiten.
00:04:06: was hat Tyrol und Sytyrol halt gemeinsam?
00:04:09: Dann hätte man das so ein bisschen in andere Fahrwasser geben können.
00:04:14: Das ist halt immer so ein Abwägen von dem.
00:04:17: was will ich eigentlich weil Provokation mache ich ja hauptsächlich um Aufmerksamkeit zu bekommen.
00:04:23: eine andere Strategie hat das nicht.
00:04:25: Es geht halt immer quasi in dem ganzen Dschungel an Informationen, indem wir leben und alle haben ein sozusagen Informationsüberfluss und ich würde trotzdem aufmerksam machen auf etwas.
00:04:38: da ist natürlich Provokation das Mittel der Wahl.
00:04:41: Das geht ja auch oft um Tabubrüche dabei usw.. Deshalb ist es halt umso verwunderlicher, dass man dann keine Antwort hat auf das was danach passiert.
00:04:51: Also das ist eigentlich das einzige was ich daran mokiere gar nicht die Radikalität oder die Idee, die Strategie.
00:04:58: Ich finde das toll in der Kreativität auch eben über die Strenge schlagen Das Einzige was tatsächlich ein neues in die Welt bringt also radikale Ideen verändern die Welt bin ich persönlich pro Radikalität und vor allen Dingen auch eben, ich mag Tabu Brüche.
00:05:16: Ich mag Überraschungen.
00:05:17: Ich mach Boahnten mit denen niemand gerechnet hat.
00:05:21: Das ist halt alles in Ausdruck von hoher Kreativität.
00:05:25: Aber hier im Fall ist eigentlich nur schade, dass dann die Reaktion eine Löschung war.
00:05:31: Erst eine Krisenkommunikation sozusagen also immer ein Backup-Plan.
00:05:35: Risikomanagement ist sehr wichtig für generell Kampagnen und dann nochmal wichtiger provozierende Kampagnen oder aufmerksam?
00:05:45: Unbedingt, genau zusammengefasst.
00:05:46: Also ich sollte sowas nicht starten wenn ich kein Bäckerplan habe also wenn ich nicht... Ich kann ja mit Szenario-Technik das bestmöglichste Modell und das schlechtmöglicheste Modell errechnen bzw mir überlegen was passiert in dem und dem Fall.
00:06:02: Das kann ich vorher machen.
00:06:04: Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht genau warum das nicht passiert ist Und das wäre halt tatsächlich zur Hinterfrage.
00:06:11: Ich kenne jetzt die Tirol-Währung nicht, aber ich weiß halt eben von Kampagnen.
00:06:17: gerade in den Nullerjahren ist ja sehr viel an solchen Kampagnien gelaufen.
00:06:22: Gerade im Modebereich und da weiß ich halt dass man schon auf alles vorbereitet war weil man hat dann eben tatsächlich auch diese Fotografen die für so Skandalfotos zuständig waren wirklich ausgewählt und gebucht Und man hat mit allem gerechnet und das ist irgendwie hier verloren gegangen.
00:06:42: Kann es sein, dass wir jetzt in einer sehr überladenen Medienwelt leben und es so viele Inhalte auf uns einwirken, also aus Personen einwirkt und alle versuchen auf unsere Aufmerksamkeit zu erkämpfen?
00:06:58: Dass schon fast die Provokation notwendig macht.
00:07:02: den Werbungen
00:07:04: Ich würde gar nicht sagen Provokation, ich würde sagen Humor.
00:07:08: Also Humor und Überraschung wären sehr schöne positive Elemente die man einbauen kann.
00:07:14: also das dieser Moment wo man dann denkt ach dass habe ich jetzt nicht erwartet.
00:07:19: Das ist der moment wo ich halt durchkomme wo ich sozusagen aufhört zu scrollen und wo ich hängen bleibe.
00:07:26: Und das kann man natürlich verschiedene Arten erreichen und einer Art davon ist als Provokations oder Tabu Bruch wirklich in eine Überraschung verpacken und das zum Lachen bringen oder positiv.
00:07:39: Also alles war es, uns zuerst bekannt vorkommt und sich dann so verändert dass es eben nicht mehr bekannt ist.
00:07:46: Das ist sozusagen für uns eine Überraschung.
00:07:49: und das funktioniert jeder Witz und so funktioniert halt auch gute Werbung.
00:07:54: Ja, und mir fällt da auch noch eine andere Kampagne ein.
00:07:57: Und zwar der G-Spot of Europe.
00:08:02: Also Will News hat sich damit – also das ist eine Stadt – als verborgenes Highlight von Europa positioniert und bewusst mit sexualisierter Bildsprache gearbeitet, um das kurz zu veranschaulichen.
00:08:15: Man sieht da direkt auf der Startseite ne Frau die auf einer Weltkarte liegt und sich dann daran festhält.
00:08:23: Bettdecke eigentlich.
00:08:24: Und mit dem Satz Nobody Knows Where It Is, but when you find it is amazing.
00:08:29: und da geht es natürlich einig um die Stadt Vilnius, die fast keiner kennt aber mit einer gewissen Doppeldeutigkeit.
00:08:37: Aus Marketing-Sicht ist das ja ein gutes Beispiel für Attention Economy oder Shock Advertising also dass Marken gezielt starke Reizen setzen müssen um überhaupt wahrgenommen zu werden auch oder bewusster provokativer Werbung, die Aufmerksamkeit erzeugen soll.
00:08:53: Also auch gleichzeitig spielt da die Positionierung eine große Rolle also weil sich die Stadt damit klar als jung und unkonventionell inszeniert hat.
00:09:02: Genau aber es hat doch gleichzeitig viel Kritik aufgenommen und war eher unseriös.
00:09:06: gehalten wurde dann
00:09:08: Also ich persönlich, es ist ja eine Analogie.
00:09:11: Da hat sich jemand gedacht also strategisch.
00:09:13: In Brainstorming wird man sich gedacht haben mit was können wir uns vergleichen?
00:09:18: und da ist man dann wahrscheinlich im fortgeschrittenen Stadium so eines Brainstomings wenn alle schon lustig beieinander sind, ist man wahrscheinlich auf den G-Punkt gekommen.
00:09:27: Ich persönlich finde das ziemlich klasse.
00:09:30: Was mir nicht gefällt ist die visuelle Umsetzung weil das hätte es nicht gebraucht.
00:09:36: Das hätte jetzt nicht quasi den, dass man jetzt eigentlich diese Sexualität der G-Punkt transportiert.
00:09:43: Dass man das noch verbildlicht also da ist man halt dann wieder übertrüber geschossen.
00:09:49: Also das verstehe ich dann auch nicht.
00:09:52: Wenn ich Kreativ Director gewesen wäre, wäre das bei mir nicht durchgegangen.
00:09:56: Also den G Punkt an sich finde ich sehr sympathisch weil der G Punkt ist eigentlich was Tolles ist ja sensationell.
00:10:02: Man weiß bis heute nicht ob es dem wirklich gibt und Ja, es ist tatsächlich nicht wissenschaftlich belegt.
00:10:09: Einige Sexualforscher sagen ja, andere sagen nein.
00:10:13: Also deshalb ist das so ein Mysterium und das passt gut.
00:10:17: also wenn ich sagen will Ich bin was Unentdecktes und wenn man mich mal findet dann bin ich etwas ganz Tolles.
00:10:23: Das finde ich eine wunderbare Analogie.
00:10:25: aber diese Extrem Sexualisierung, dadurch das dann eine Frau was jetzt auch wieder so ein bisschen.
00:10:31: also warum eine Frau?
00:10:33: ja klar weil sie den G-Punkt hat.
00:10:35: aber es hätte ja auch irgendwie einen Mann sein können der sagt er hat ihn gefunden und seine Frau glücklich gemacht.
00:10:40: Also wir hätten man noch viel viel mehr spielen können.
00:10:43: Und ich finde halt schade dass ist da eben diese Wort Bildspannung nicht gibt Weil das Bild gibt genau das weder was der Claim sagt und damit habe Ich mich eigentlich überholt.
00:10:55: Also ich habe eigentlich gezeigt, dass es nicht
00:10:58: kann.
00:11:01: Es kann authentisch wirken wenn man Provokation von es verändert.
00:11:07: aber man hat ja auch gerade mitbekommen das ist natürlich ein bisschen Risiko weil es gibt immer welche die sagen über so einen Thema kann man nicht reden oder das ist zu unseriös.
00:11:17: wie in dem Fall Wann könnte man sagen das wirkt vielleicht künstlich oder riskant für eine Marke?
00:11:24: Also kann man das verallgemeinern?
00:11:27: Auf jeden Fall, wenn die Marke das gar nicht hergibt.
00:11:29: Wenn ich was superseriöses bin und dann irgendwas Unseriöses verfasse und zeige, dann bin ich nicht authentisch Und das nimmt mir dann niemand ab.
00:11:42: Also das geht dann gar nicht.
00:11:43: Man muss schon so einen gewissen Humor haben, auch von Natur aus der Marke.
00:11:48: Dann kann ich auch humorvolle Werbung machen.
00:11:53: Ich habe ja mal für ersten Martin gearbeitet und es waren zum Beispiel die lustigsten Geschäftswürde, die ich je kennengelernt habe.
00:11:59: Das war natürlich auch England also richtig gepreten Und die waren halt in wirklich ganz Maasanzügen und supertolle ältere Herren aber die haben so ein Schmäh drauf gehabt machen, wo sie wirklich James Bond verarschen.
00:12:14: Weil da gerade mal keinen schon für das Wort verarscht, aber eben veräppeln weil bei James Bond kein erstes Martin fährt.
00:12:23: Das passt dann zum Beispiel perfekt zusammen, weil da ist dann halt so ein gewisser Humor der von der Marke auch ausgeht oder von den Vertretern der Markel.
00:12:31: Aber es kann natürlich.
00:12:33: Also ich sollte die Finger davon lassen, aus zwei Gründen.
00:12:37: Wenn es halt einfach generell nicht zu mir passt und zweitens wenn ich mit dem Shitstorm nicht umgehen kann dann sollte ich das gar nicht erst versuchen.
00:12:47: Und würden Sie auch sehen dass es da Unterschiede zwischen Branchen geben?
00:12:50: also wir haben jetzt übers Marken-Image geredet Dass es zur Marke passen muss aber muss es auch zur Branche passen?
00:12:58: weil Wir haben ja ein bisschen einen Tourismus-Bezug heute mit unseren Beispielen gegeben und kann man sagen, Tourismus eher nicht.
00:13:07: Weil wir wollen eine breite Gruppe ansprechen.
00:13:09: oder kann man dann sagen hey das kommt ganz aufs Land drauf an oder ganz auf Thema der Tourismus weil Tourismus ist nicht gleich Land sondern Tourismus kann ja Hotel sein oder sowas.
00:13:19: Diese treten öfters seriös auf?
00:13:22: Oder kann man das nicht allgemein in einer Branche?
00:13:25: Also ich würde es nicht für allgemeinern.
00:13:27: Ich wüsste jetzt nicht eine spezielle... Branche, wo das gut passt und eine, wo es nicht gut passt.
00:13:33: Das wäre mir jetzt so neu, da müsste ich drüber nachdenken.
00:13:37: Also spontan würde ich sagen nein alle Branchen können das anwenden Und ich finde gerade im Tourismus hat das ja eigentlich sehr gute Chancen weil der Tourismus lebt eigentlich von immer dem gleichen Bildern.
00:13:48: Es ist eigentlich sehr eintönig, Tourismuswerbung also Ich kriege im Moment sehr viel.
00:13:52: wahrscheinlich weil ich die Zielgruppe bin Krieg ich sehr viele Kreuzfahrten Videos gezeigt auf YouTube, also Werbung für Kreuzfahrten die einfach alle gleich aussehen.
00:14:04: Man kann sich überhaupt nicht erinnern was mir da keine gezeigt wurde und das ist halt super langweilig.
00:14:09: Also deshalb muss man das tatsächlich gerade vielleicht im Tourismus oder kann man damit spielen Tatsächlich irgendwie auch vielleicht mal so ein Zimmer zeigen, wo alle reinstürmen wollen.
00:14:22: Weil das das tollste Zimmer des Hotels ist oder so.
00:14:24: Also irgendwie kann man da sicherlich sehr viel mitspielen und ich würde das im Tourismus würde ich das tatsächlich nahe legen wenn die zum Beispiel ganz tolles uriges Hotel bin dass eine junge Zielgruppe ansprechen möchte dann würde ich es mit Witz und Humor machen.
00:14:40: Sie sprechen schon ein sehr wichtiges Thema an Die Zielgruppen.
00:14:45: würden sie sagen dass wenn eine Marke bewusst produziert, das Zielgruppen unterschiedlich drauf reagieren.
00:14:54: Also gibt es typische Muster von einer gewissen Zielgruppe und ein typisches Muster vom anderen.
00:15:00: oder kann man sagen jede Zielgruppa unterscheidet sich im Allgemeinen?
00:15:04: auf die Reaktion?
00:15:05: Also eigentlich sollte ich ja nur eine Zielgruppe haben, die ich primär ansprechen möchte und dass sich dann auch andere angesprochen fühlen.
00:15:13: Die gar nicht in meiner Zielgruppen sind.
00:15:14: das passiert halt bei Werbung.
00:15:15: Bei Werbung ist es halt öffentlich aber es ist halt tatsächlich so, ich sollte zu meiner Ziel-Gruppe passen.
00:15:23: Das sollte meine primäre Zielgruppes sollte sich angesprochen führen.
00:15:27: wenn ich das nicht schaffe, dann mache natürlich einen großen Fehler und dass ich eben auch noch andere Zielgruppen angesprochen fühle, kann ich nicht verhindern.
00:15:36: Ich habe immer irgendwo
00:15:38: Streuverluste.".
00:15:40: Und würden Sie sagen, dass da auch viel kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede eine Rolle spielen?
00:15:46: Weil wenn ich sage, ich hab dieselbe Zielgruppe aber halt weltweit jetzt international gesehen, ich würde gerne die zwanzig bis fünfundzwanzigjährigen oder zwanzi- bis dreizigjährige ansprechen und spielt die Kampagne in Europa, in Asien oder Amerika aus.
00:16:03: Da ist jetzt sehr viel kultureller Unterschied da.
00:16:06: Und in manchen Ländern könnte das dann provokativ wirken und in den anderen nicht?
00:16:13: Man muss auf jeden Fall auf kulturelle Unterschiede achten.
00:16:16: Gerade im asiatischen Raum gibt es ganz viele Spielregeln, die bei uns nicht so ernst genommen werden.
00:16:22: Also da ist halt der personelle und interkulturelle Kontakt wird da ein bisschen anders gewertet als bei uns.
00:16:30: Und es gibt auch glaube ich nicht so einen ganz allgemeingültigen überall gültigen Humor.
00:16:35: also das kann ich mir jetzt nicht vorstellen weil Humor ist auch etwas was sozusagen aus dem eigenen Leben geschöpft wird.
00:16:42: Man muss diese Szenerie kennen, um sie sozusagen humorvoll verfremden zu können.
00:16:48: Und wenn ich das eben nicht kenne, also wenn ich keine Alpen kenne weil ich in Asien aufgewachsen bin kann ich keinen Schmäh über die Alpen machen dann wird es da nicht verstanden.
00:16:59: Also das muss man unbedingt bedenken und ich glaube auch... Wir haben schon vor zwanzig Jahren – Ich habe ja für die Malediven gearbeitet – und wir haben schon Vorzwanzig Jahre genau diesen Unterschied in der Zielgruppe aufbereitet.
00:17:12: Wir haben damals festgestellt, dass zum Beispiel alleine in Europa das Briten eben aus ganz anderen Gründen auf die Maldiven reisen als zum Beispiel Deutsche und deshalb haben wir zum Beispiel ganz unterschiedliche Tourismus Kampagnen gefahren in den Ländern.
00:17:27: also wir haben sozusagen komplett andere Zielgruppe angesprochen im UK als wir das in Rest of Europe gemacht haben.
00:17:35: und da war also schon vor zwanzig Jahren hat man gewusst oder sogar schon sechsundzwanzig Jahre hat man gewusst, dass man eben also quasi darauf Rücksicht nehmen muss mit welchem Kulturkreis man kommuniziert.
00:17:49: Und auch bezogen zum zu kulturellen Themen da muss man immer sehr sensibel auch sein.
00:17:54: Also jetzt auch wieder zb Tirol versus Südtirolkampagne die war ja schon erwähnt so wie erwähnte humor voll gemeint aber von vielen als unsensibel gesehen Weil eben die kulturellen Themen einfach sehr sensibel da sind.
00:18:09: Also gerade auf Social Media verstärkt sich ja das extrem, weil sich Kritik oft schneller verbreitet als die Kampagne selbst.
00:18:16: und da ist dann ein Stichwort negative Viralität und dann ist es eigentlich alles ein Shitstorm noch mehr.
00:18:23: Ja, das ist ein großes Problem.
00:18:25: also ich denke mal die heutige Zeit hat tatsächlich das Problem allen Mal der Schnelligkeit Dann eben auch dieses doch eher Pöbelhafte, was sich durchgesetzt hat in Social Media.
00:18:37: Es ist sehr oft mangeltes an Respekt.
00:18:40: also es ist schon erstaunlich wie viele Menschen sich da so ergehen in untergriffigen Kommentaren.
00:18:51: das erschreckt einen eigentlich sehr.
00:18:53: und jetzt kann man sich über alles aufregen.
00:18:55: wenn man sich aufregt möchte das muss man mal ganz klar sagen kann ich mich halt auch über sowas aufregen, weil Tirol ist nicht so toll.
00:19:03: Es ist vielleicht ein bisschen unsensibel gewesen und die haben ja eine Geschichte.
00:19:08: Also wenn man jetzt zu Deutschland ist nicht Österreich, wenn man das jetzt mal so vergleicht... Ich glaube da werden die Österreicher total glücklich darüber, wenn das so gesagt werden würde.
00:19:17: Die Deutschen würden sagen was?
00:19:19: Echt?
00:19:19: Sind die so anders, ehrlich.
00:19:22: Weil die allermeisten Deutschen haben mit einem ganz bestimmtes Bild von Österreich was ein bisschen heidi und petermäßig ist.
00:19:29: Und weil es halt die höheren Berge gibt... Also wir haben ja auch Alpen in Deutschland aber Österreich hat natürlich die höherer Berge und die Schweiz hat den höchsten also zumindest von den Alpen.
00:19:39: Aber auf jeden Fall muss man vielleicht tatsächlich sensibler sein.
00:19:45: Der wichtige Faktor in unserer Gesellschaft jetzt ist ja Social Media.
00:19:49: Also jeder hat es gefühlt, das wird wahrscheinlich jeder haben vor allem in der jüngeren Generation.
00:19:56: und wie stark beeinflussen diese Plattformen eigentlich diese Dynamiken von Shitstorm?
00:20:02: weil wie Sie schon gesagt haben jeder kann seine Meinung mittlerweile äußern, jeder kann sagen es ist anonym.
00:20:08: Ja, also der Algorithmus ist ja unser größtes Problem was wir im Moment haben da halt.
00:20:13: Also es ist ja wissenschaftlich erwiesen, technologisch erwiesen dass wir negative Botschaften ernst daneben als positive Botschaft und das ist leider tatsächlich etwas urmenschliches.
00:20:23: Das kann man jetzt so nicht ändern.
00:20:25: aber wenn man dann ein Algorithmos auf jeder einzelnen Social Media Plattform so ausrichtet Dass eben quasi diese Negativität dann multipliziert wird Dann hat man halt genau das probleme was wir jetzt haben.
00:20:37: Also wir haben halt einfach ein Problem, dass wir in so eine Empörungskultur geworden sind und jeder empört sich.
00:20:44: Und es wird halt ganz selten mal Danke gesagt für Beiträge oder ja das wird natürlich auch gelobt hier und da.
00:20:51: aber wenn man sich als so ein bisschen daneben benehmen möchte dann findet man genug Anlass im Social Media.
00:21:00: Kann man da als Marke oder das Unternehmen entgegenwirken indem man sagt Wir sind halt auch nicht perfekt, weil das ist ja immer so.
00:21:10: ein kritisches Thema finde ich persönlich.
00:21:12: Wenn Marken sich als nicht perfekt wirkt es gleichso intransparent wobei sie eigentlich sehr viel transparenter ist.
00:21:19: aber es wirkt ja so als würden die Unternehmen sagen Ja wir können auch nicht alles richtig machen was sollen wir noch?
00:21:27: Das würde ich überhaupt keiner Firma empfehlen, gar nicht um Himmels willen also mit diesem zu spielen.
00:21:33: Wir sind halt nicht perfekt wir sind auch noch Menschen.
00:21:35: das würde ich ganz schrecklich finden.
00:21:37: Also das finde ich eigentlich den totalen Verlust der eigenen Würde.
00:21:41: sich bin eine Marke habe eine Marge aufgebaut.
00:21:43: Ich sollte da Experten sitzen haben die wissen wie ich diese Marke vermarkte.
00:21:47: es gibt genug Experten.
00:21:48: wenn wir bilden sie aus.
00:21:50: Sie sind schon beide Experten für Marketing.
00:21:53: Sie können das retten und schon ab Herbst Auf jeden Fall, wenn ich mir das als Unternehmen nicht leisten kann, dann sollten die eigentlich meine Türen zu machen.
00:22:01: Und was mich irgendwie gesagt... Ich würde halt als Unternehmen auch dazu stehen!
00:22:06: Das finde ich viel wichtiger.
00:22:07: Ich entscheide mich zum Beispiel einen Tabu-Bruch in meine Werbung einzubauen oder übermäßigen Humor einzubauen und lasst das laufen und dann sollte ich dazu auch stehen.
00:22:19: Und wenn ich jemanden, ich sollte mir halt wirklich vorher überlegen wen ich tatsächlich dadurch kulturell echt kränken könnte.
00:22:26: Das wäre vielleicht das wichtigste daran.
00:22:29: Hätte da noch eine etwas persönlichere Frage?
00:22:34: Hatten Sie in Ihrer Laufbahn schon mal eine Kampagne veranstaltet oder mitgearbeitet bei einer Kampagne, wo sie sich dann vor Beginn der Veröffentlichung oder zu Beginn von der Veröffentlichten nacht
00:22:45: haben.
00:22:47: Hoffentlich wird das jetzt nicht zu negativ.
00:22:49: also schon den Gedanken dass die Kampagne provokant wirken kann bevor es ausgespielt wird hatten Sie da schon mal?
00:22:58: Ich hatte eigentlich eher das Gegenteil, also wir waren in den Agenturen, in denen ich war.
00:23:02: Wir waren immer extrem kreativ und dann haben sich die Entscheidungen gar nicht getraut umzusetzen weil es sind ja auf der Seite des Unternehmens sitzen Leute den Staat einer solchen Kampagne auch erst freigeben müssen.
00:23:16: Also man präsentiert ja als Agentur dann verschiedene Vorschläge und davon ist dann in der Regel macht man drei Vorschlage, zwei sind halt on briefing and on strategy und einer geht halt off Und das Off ist dann meistens irgendwas wo ich drüber hinaus schieße und da fehlt sehr oft der Mut dafür.
00:23:35: Ich hatte nur eine Sache im meiner Vergangenheit, die habe für Achse gearbeitet.
00:23:40: Und da gab es mal ein Phänomen, dass sie einen Fake-Musiker aufgebaut haben.
00:23:45: Der wirklich gar nicht existiert hat.
00:23:48: Da haben Sie eine Biografie angehängt und so weiter... ...und eine eigene Webseite kreiert und irgendwie so getan als ob sie jetzt in der Musikzene aktiv sind.
00:23:57: Und dann ging Sonntag in Shitstorm los, als man erkannt hat das der Fake ist.
00:24:02: Diese Person gibt es nicht.
00:24:04: und daraufhin hat aber die Unilever damals entschieden, wir machen einfach die Webseite oder wir machen die Kommentarfunktionen, lösen wir auf, wir lassen uns gar nicht mit zu, wir löschen die Seite.
00:24:17: Dann hatte ich das erledigt.
00:24:18: Das war vor Social Media im großen Format.
00:24:40: Das heißt, da hat es eigentlich auch keine Krisenkommunikation gegeben und würde nicht wirklich nachgedacht darüber was man machen wenn's schief geht.
00:24:49: Wenn wir dann alles zusammennehmen, was wir heute schon besprochen haben, kommen wir eigentlich wieder zurück zur zentralen Frage.
00:24:57: Wann ist Provokation im Marketing eine gute Strategie und wann wird sie eher zum Risiko?
00:25:04: Ja, also eine gute Strategie ist es immer dann wenn es zu mir passt egal ob es halt radikal provozierend ist oder humorvoll lächelnd.
00:25:15: was muss halt zu mir als mark gepassen?
00:25:17: ich muss halt authentisch rüberkommen und ich sollte vielleicht auch so ein bisschen so eine historie haben von ungewöhnlicher werbung.
00:25:25: ich kann nicht irgendwie ganz dann jahrelang super langweilige klassische werbung machen um plötzlich fallig aus dem rahmen das Da würde man sofort denken, oh die haben eine andere Agentur.
00:25:37: Sie sind jetzt mutiger geworden oder so.
00:25:39: Also Insider würden so denken.
00:25:41: Normale wahrscheinlich nicht aber Insider werden gleich mal so denkt okay also es muss zu mir passen das ist halt ganz wichtig und Ich kann einfach nur mal wieder sagen, ich muss vorbereitet sein auf alles.
00:25:53: Also wenn ich sowas fahre, wenn nicht wirklich Aufmerksamkeit erregt bin... Wenn ich ein Talk of the Town werden möchte, wenn ich in Gespräch werden möchte... Weil das kann ich erschaffen mit so einer Werbung und dass sich Leute dann damit identifizieren
00:26:09: usw.,
00:26:10: aber da muss ich halt auch vorbereitet sind, dass es nach hinten losgehen kann
00:26:15: in Bezug auf Chance und Risiko.
00:26:17: Da ist jetzt auch ein spannendes Beispiel taken by Albania.
00:26:21: Die Kampagne ist quasi eine Antwort auf den Film Taken Und sie konntet das negative Bild, dass der Film von Albanien zeigt.
00:26:30: Also der Film stellt das Land bewusst positiv also die Kampagnen stellt das landbewusst positiv dar und modern und gastfreundlich mit dem Satz we have been taken Albania now it's your turn.
00:26:45: Das war aber einerseits ein smartes Reframing, aber wurde auch sehr kritisch gesehen weil das Thema Menschenhandel eben einfach sehr sensibel ist und es auch an Themen in Albanien ist.
00:26:57: ich glaube dass Zeit ganz gut.
00:26:58: auch Provokation funktioniert dann wenn sie durchdacht ist.
00:27:00: aber ohne gute Krisenkommunikation kann das auch sehr schnell nach hinten gehen wie wir schon vorhin besprochen haben und da wurde in der Kampagne einfach eine Chance gesehen.
00:27:11: jetzt kann man Albanian bewusste positiv auch darstellen.
00:27:17: Ja, aber es ist halt tatsächlich sehr gefährlich wenn ich dieses Grundproblem eigentlich nicht lösen kann.
00:27:23: also das ist ja eben angelehnt an diesen Film mit dem Niesen wo er halt tatsächlich dann... Also der Film ist jetzt keine leichte Kost und da geht es ja immer um diesen Menschenhandel mafiöse Strukturen usw.. Das ist halt ein bisschen schade weil Ich finde die Idee ziemlich klasse.
00:27:42: Die gefällt mir sehr gut, aber sie muss auch verstanden werden und ich habe das Problem nicht gelöst und dessen muss ich mir bewusst sein.
00:27:49: Also die Vorwürfe bleiben ja noch egal wie sympathisch ich mich darstelle.
00:27:56: Wenn man dann unsere ganzen Gespräche heute zusammenfasst sieht man eigentlich ganz gut dass kontroverse Kampagnen im Marketing sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen.
00:28:07: Provokation kann helfen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und eine Marke klar zu positionieren.
00:28:13: Gleichzeitig kann sie aber auch schnell kritik- oder negative Reaktionen auslösen.
00:28:17: Am Ende hängt es wahrscheinlich stark davon ab wie gut eine Kampagne durchdacht ist und ob sie wirklich zur Marke passt.
00:28:24: Gibt es vielleicht noch etwas das Sie unseren Zuhörerinnen zum Thema kontroversen Kampagnen im Marketing mitgeben möchten?
00:28:32: Vielleicht zwei Dinge.
00:28:34: Erstens, alles nicht so ernst nehmen was Werbung uns vermittelt und zweitens vielleicht auch dann mal tatsächlich mutigere Werbung machen damit sie wirklich unterhaltsam ist weil eigentlich will niemand Werbung Und trotzdem wird alles mit Werbung zugeschüttet.
00:28:49: Dann kann man doch irgendwie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und es so unterhalter machen dass man sich darauf freut und dann vielleicht so lustig machen das man einfach weiß.
00:28:59: Man muss ich jetzt nicht aufregen Es gibt keinen Grund.
00:29:02: Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren und so offen mit uns gesprochen haben.
00:29:07: Und Ihren spannende Einblick in das Gespräch gebracht haben!
00:29:12: Damit sind wir nämlich auch schon am Ende unserer heutigen Folge angekommen.
00:29:16: Wir hoffen, ihr konntet ein paar interessante Perspektive zum Thema kontroversen Kampagnen mitnehmen.
00:29:22: Vielleicht schadet euch die eine oder andere Kampagne jetzt doch mit etwas anderen Augen an und vielleicht bucht sie sogar einen Urlaub
00:29:29: in Vilnius.
00:29:30: Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
00:29:33: Eure Six
00:29:33: Stars!